Geschichte

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Hotel Fafleralp: Ein Juwel in der Perlenkette wird 100 Jahre alt

Autor: Walter Henzen, Blatten, 2013

 

Nicht jedes Tal kann von sich behaupten, ein veritables Juwel zu besitzen. Und auch nicht jedes Tal besitzt eine Perlenkette. Wenn man nun beides hat, ja dann kann man sich glücklich schätzen.

Der Lötschentaler Juwel ist das Hotel auf der Fafleralp, vormals ein uriger, typischer Ferienbetrieb „alter Schule“, zu Füssen einer hochalpinen Bergwelt auf knapp 1800 Metern.Die Perlenkette ist die wunderbare Bergwelt, mit dem Bietschhorn als König und das hintere Lötschental umrahmend.
Und das alles liegt nun auch noch in einem Welterbe, dem UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Wenn das nicht beste Voraussetzungen sind …

Um die Geschichte des Faflärhotels aus der Sicht der Einheimischen genauer begreifen zu können, muss zumindest in die Zeit zurückgegriffen werden, in welcher unsere Mütter junge Mädels waren. Zu jener Zeit ging die Bedeutung des Hotels weit über den touristischen Aspekt hinaus. Das Hotel galt damals als begehrter erster Arbeitgeber für die jungen, so eben der Schule entsprungenen Mädchen. In Fafler konnten sie ihr erstes Geld verdienen und so ihre Familien massgeblich finanziell unterstützen. Die Einnahmen aus der kargen Landwirtschaft waren spärlich; andere Verdienstmöglichkeiten gab es kaum. Und so war eine Anstellung z’Faflär eben etwas Besonderes für das junge Mädchen und deren Familie.

So erinnerte sich, nennen wir sie Liesel, so erinnert sich Liesel an die Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges, als sie einige Saisons vorerst als Küchenhilfe und danach als Zimmermädchen arbeitete. Mit dem ersten Verdienten konnte der Familie ein Holzofen gekauft werden. Dies war natürlich für die ganze Familie ein grosser Fortschritt, musste doch künftig nicht mehr auf der offenen Feuerstelle, auf der Trächun, gekocht werden. „Das isch für di ganz Famili än grossä Tag gsihn, wasch dischn Offn ubr d’Riädegga bis z’Wysseriäd getragen he-in. Und ich bin ganz schtulz druf gsihn, dass ich mit mim Gäld für mini Famili ha appas zu bessärän Läbensbedingungen biitragen chenn“.

Soweit sich die Generation unserer Eltern zurückerinnern kann, stand eher der Aspekt des Arbeitgebers bei den Einheimischen im Vordergrund. Heute hat sich dies etwas geändert und es steht eher die touristische Bedeutung im Zentrum. In den letzten Jahren machte das Faflärhotel einen riesigen Schritt nach vorne. Aus dem damals beschaulichen Betrieb wurde ein moderner und hochprofessionell geführter Betrieb, welcher weit über die Kantonsgrenzen (und damit meine ich nicht diejenigen von Lötschen) bekannt ist. Dies ist nebst dem hoch motivierten Management auch verschiedenen Umbauten aussen wie innen zu verdanken. Es entstand ein weit herum bekannter Gastronomie- und Hotelbetrieb. Als Glanzpunkte in den letzten Jahren kann sicherlich der Besuch des Gesamtbundesrates aufgeführt werden, bei welchem uns Christian vor dem Hotel in freier Natur ein Essen erster Klasse „zelebrierte“. Oder der Besuch des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schröter mit Bundespräsident Pascal Couchepin, welcher auch in „sicherheitstechnischer Organisation“ nicht ganz Ohne war.

Ebenfalls auf der Plusseite steht auch, dass ein Winterbetrieb aufgezogen werden konnte. Zwar ist dieser etwas reduziert, da sich die grossen Touristenströme im Winter noch nicht bis auf die Fafleralp wagen; ein Aufenthalt im Winter muss sich ja auch mit einem Aufstieg zu Fuss oder auf den Skier verdient werden. Aber genau das macht doch auch wiederum den Charme von Faflär aus. Wer geniesst nicht ein wunderbares Fondue an einem Samstagabend im Februar unter seines Gleichen auf der Alpe, mit Christian als perfektem Gastgeber und zum Abschluss mit einer rassigen Schlittelfahrt an Kühmatt vorbei zrugg uf di Blattun?

Ein UNESCO-Welterbe braucht „Aufhänger“. In unserem Gebiet ist dies sicherlich das Bietschhorn, dieser den ganzen Kanton überstrahlende majestätische Berg. Und es ist dies auch der leider etwas schwindende Langgletscher mit der Lötschlücke, welche umringt von weiteren sehr schönen Bergen ist. Das Juwel, wohlverstanden das touristische Juwel, ist hingegen das Faflärhotel. Es macht das Welterbe zugänglich. Es befindet sich am Eingang zu dieser wunderschönen Gegend. Es ist der Ausgangspunkt und irgendwie die touristische Identität. Und diese Rolle spielt es vorzüglich. Nicht nur ist es – wie bereits erwähnt – nun neu herausgeputzt für sein Hundertjähriges. Nein, in seinem Angebot wird es seiner Verantwort auch gerecht und es bietet entsprechende hochalpine Ausflüge, Wanderungen und Touren mit Pius an. Auch hier zeigt sich Professionalität pur, gepaart mit Herz und Charme. Die Partner dabei, sei es unten der Betrieb beim Parkplatz oder sei es die hoffentlich bald wieder geöffnete Anenhütte oder die Hollandiahütte in dr Lickun, bieten Hand, damit der hinterste Teil des Tals der Täler auf diese Weise vernetzt zu einer schönen Erlebnisregion wird.

Eine Person uf dr Blattun ist noch älter als das Faflerhotel: Anna, die rüstige über Hundertjährige war damals als Milchlieferantin ebenfalls mit dem Faflärhotel verbunden. Sie befürchtet in der Zwischenzeit, dass sie der liebe Gott vergessen hat, da man doch unmöglich so alt werden könne. Nun, für Hotels gelten nicht dieselben „Richtlinien“ wie für Menschen. Aus diesem Grund und etwas vorgezogen:

Herzliche Gratulation dem Faflärhotel zum Hundertjährigen und auf die nächsten Hundert Jahre!

 

ERINNERUNGEN AUS DREI GENERATIONEN

Gerd Ebener erzählt aus einigen Jahrzehnten Hotel Fafleralp

 

Über den Bau des Hotels hiess es der Familie immer, sie seien zu dritt gewesen; von einem vierten Initianten hörte ich nie erzählen. Mein Grossvater, Josef Ebener, war auch unter den drei Erbauern, er war überhaupt einer, der viel zur Öffnung des Lötschentales für den Tourismus beitrug. In Kippel war er auch bei Bau des Hotels Lötschberg dabei; hier liess er auch das Gasthaus Ebener errichten, ein schöner Riegelbau, den man später leider abgerissen hat.

Auf der Fafleralp stand zuerst lediglich ein kleines Hotel. Die drei hatten ja kein Geld, und von einem Architekt hörte ich nie etwas sagen. Ich glaube eher, dass sie das selber alles planten. Das ist eine Pionierleistung im wahrsten Sinne des Wortes, zu hinterst im Tal, ohne Strassen und ohne Maschinen den Bau eines Hotels in Angriff zu nehmen.

Dann kamen zum Glück diese Genfer Familien, die richtige Fans des Lötschentales waren. Da war Lasserre, der 1923 das Hotel erwarb, ihm die Struktur einer Aktiengesellschaft gab und auch das Startkapital von 54’000 Franken zur Verfügung stellte. Er war ja auch der Initiant für die Vergrösserungen, und der hat dort sein Vermögen investiert, er war vernarrt, wie alle Genfer, ohne sie würde es die Fafleralp gar nicht mehr geben. 1925 und 1929 erhöhten sie das Aktienkapital auf 2’300’000 Franken und das Gasthaus wurde ausgebaut, vergrössert und stieg zum ‚Hotel’ auf.

Ich kann mich noch gut an Lasserre erinnern, wie er auf der Fafleralp an verschiedene Orte ging und malte, er war Chirurg, ein Idealist und auch Maler. Ich war damals ein Knabe und sehe ihn noch heute vor mir, wie er in der Natur malte.

Lasserre war der erste Präsident der Fafleralp Hotels AG. Ihm standen zwei weitere finanzkräftige Genfer Familien zur Seite, die Bordiers, sie waren Banquiers in Genf, und die Familie Duchosal, die Treuhänder. Die Privatbank Bordier wurde auch zur Hausbank unseres Hotels und sie gewährten dem Hotel Fafleralp in den schwierigen Kriegs- und Krisenjahren günstige Zinse. Von Herrn Jacques Bordier, einem umsichtigen und humanen Präsidenten unserer Hotelgesellschaft, habe ich viel gelernt. Als er verstarb, folgte seine Tochter Laurence Bordier als Präsidentin; sie war auch eine hervorragende Protokollführerin. Auch Herr Duchosal war eine Zeit lang Präsident des Verwaltungsrates und natürlich Kassier. Auch ihn habe ich sehr geschätzt und von ihm gelernt, das man in guten wie in schlechten Jahren mindestens in den nötigen Unterhalt eines Hotels investieren muss, koste es, was es wolle!

Auch die Direktoren waren spezielle Leute: Bis in die 1940er Jahre Emil Graf und seine Frau, dann Hugo Vock und Frau, und in den 50er Jahren Herr und Frau Burkhalter, um 1960 die beiden Ehepaare Gürke, weiter Bruno Mathieu und seine Frau bis 1975, dann Herr und Frau Eggel bis 1993, und 1994 bis 97 Christian Henzen als Direktor und seit 1998 als Inhaber.

Direktor Emil Graf beispielsweise war ein Phänomen. Er kam, ich meine aus Adelboden, jedenfalls war er Berner Oberländer. Herr Graf war ein Faktotum, er kümmerte sich auch um alles, doch manchmal war er mürrisch oder kurz angebunden, aber seine Frau war dafür sehr charmant und bügelte das bei den Gästen alles wieder aus. Unter Direktor Graf arbeitete ich 1945, in der Sommersaison, als ich 14jährig war, als Hilfsportier. Josef Bellwald der Hauptportier, ging jeden Tag bis nach Goppenstein hinunter und holte dort die Gäste ab; er musste für deren Gepäck die Maultierpost organisieren, dann auch Maultiere für jene Gäste, die reiten wollten. Er trug eine Kappe, mit der Aufschrift „Hotel Fafleralp“.

1930 wurde also das Langgletscher gebaut, die Pläne, Rechnungen und Unterlagen habe ich alle noch. Ringgenberg aus Kandersteg machte alle Holzarbeiten und Otto Fahrni aus Thun war der Architekt. Als das Hotel fertig war, führten es meine Eltern zwei Jahre selbst. Aber schon 1933 wurde es der Hotelgesellschaft verpachtet und 1960 schliesslich ganz verkauft.

Vater erzählte natürlich viele Geschichten über das Hotel, so schilderte er etwa den Transport der Kabel für das Elektrizitätswerk. Und sie die Kabel für das Werk brachten, da spannten sie also in der Nähe von Kühmatt unten die Maultiere vor und meinten, die würden nun die grossen Kabelrollen den Hang hinaufziehen in Richtung Fafleralp. Aber die Tiere machten keinen Wank! Da mussten sie selber an die Arbeit und alles von Hand hinaufziehen; das brauchte mehrere Männer, die mit Seilen diese riesigen Rollen zogen und das Kabel verlegten.

Später, aus meiner Zeit als Direktor, da gäbe es viele Geschichten, aber eine blieb mir besonders in Erinnerung. Wir hatten ja damals viele Engländer. Eines Tages hatte ich einen Brief in der Post: To the Reverend Lord Bishop of Canterbury, Hotel Fafleralp, Lötschental. Ich staunte nicht schlecht. Vor allem wusste ich nicht, wer von all den Engländern das sein sollte – keiner hatte sich so eingetragen. Ich studierte also an dieser Sache herum und fragte auch Pfarrer Werner, wir hatten ja damals zwei Kurgeistliche, die kamen jeden Sommer, da war Pfarrer Alfred Werner aus Glis, und Pfarrer Emil Imboden. Es war Alfred Werner, der es herausfand, und zwar so: Es sagte, es sei ihm aufgefallen, dass zwei Personen jeden Tag morgens zur Messe kämen, doch nie zur heiligen Kommunion kamen. Die beiden müssten es sein! Ich sprach den einen an, tatsächlich war er der Bischof, der mit seinem Begleiter bei uns Ferien machte. Er schätzte die Ruhe, dass er nicht durch Geschäfte gestört wurde, sich frei fühlte. Wenn man ihn hier erkenne, so reise er ab! Doch wir behielten die Sache für uns, und Pfarrer Werner wurde später sogar nach Canterbury eingeladen.

In jenen Jahren stammten viele MitarbeiterInnen noch aus dem Tal und die ersten ausländischen MitarbeiterInnen kamen aus den umliegenden Ländern. Später, als ich dann im Verwaltungsrat war, hatten wir auch Angestelle aus Portugal und Jugoslawien; von hier stammten die Saisonniers der Familien Texeira, Couthilio, Tadic. Auch sie arbeiteten, wie die Einheimischen, während vielen Jahren bei uns und wir sind ihnen immer sehr dankbar gewesen.

Josef Ebener mit seiner Frau Theresia Ebener-Bellwald, die Söhne Walter (links) und Wilhelm, der spätere Kantonsrichter und Vater von Gerd Ebener (Fotografie aus: Ignaz Bellwald: Familien-Chronik der Gemeinde Wiler. Naters 2001, S.98).
 
 

GESCHICHTEN AUS HUNDERT UND EINEM JAHR

Eine Festschrift von Werner Bellwald von 2008 zum Download.

 
100 Jahre Hotel Fafleralp (PDF)